Hollywood Online (May 98)

Sandra Bullock lernt ihre Lektion

Sandra Bullock mag zwar mit Erfolgen wie “Speed” und “Während du schliefst” zu America's Sweetheart geworden sein, sie weiß aber auch, daß ihre Beliebtheit nach den letzten Enttäuschungen wie „Speed 2“, „In Love and War“ und „Gestohlene Herzen“, gelitten hat.

Als ungebrochene Optimistin hat Bullock aus ihren negativen Erfahrungen gelernt. Sie hat damit begonnen ihre eigenen Filme zu produzieren und hat ihre ganze Kraft in ihren neuesten Versuch investiert: Die vergleichsweise günstige Rückkehr zum Geborgenheitsdrama „Eine zweite Chance“, die am 29 Mai anläuft.

Bullock hat den Schmerz mit “Speed 2” unterzugehen noch nicht vergessen, aber die eigentlichen Dreharbeiten hat sie als Riesenspaß in Erinnerung.

“ ‚Speed 2’ war mit Abstand die beste Erfahrung im Leben, die ich jemals hatte, mit einigen meiner besten Freunde über sechs Monate. Wir haben Dinge gatan, die du sonst im Leben niemals tun kannst. Der Kompromiß sieht so aus: Mein Leben wurde dadurch besser aber meine Karriere hat dafür einen steilen Sturzflug gemacht. Meine Karriere kam zu einem Stop, was tatsächlich das beste war, dass ihr passieren konnte.“

“Ich mag das Produzieren im Augenblick viel mehr als die Schauspielerei,” fügt sie hinzu. „Ich bin im Augenblick besser darin, weil ich in diesem Bereich mehr zu geben habe. Eine Menge davon ist Verwaltung, das Verhindern von Schaden und kreatives Denken. Es gibt da einen Sinn für Panik und wenn nur eine Sache schief läuft kann das alles über den Haufen werfen. Das ist wie ein Rausch für mich.“

Filme zu machen besteht aus einer Reihe von Lektionen, die Sandra Bullock lernen musste. Beginnen wir fast am Anfang, bei „Love Potion No. 9“. Hier lautete ihre Lektion niemals falsche Zähne zu tragen. „Sie haben meine Zähne krumm gemacht,“ sagt sie mit einer Grimasse.

“Eine andere Lektion heißt ‚NEIN!’ sagen zu lernen. ‚Nein’ sollte das stärkste Wort in deinem Vokabular sein. Daß habe ich von Jason Patric gelernt, der mich jahrelang in den Hintern getreten hat, bis ich lernte, bei der Arbeit ‚Nein’ zu sagen. Er hat mir gesagt, daß meine Arbeit schlecht war, weil ich Ihnen erlaubt hatte sie schlecht zu machen.

Die dritte Lektion die ich gelernt habe, ist niemals Filme auf Video zu schauen. Schau dir Filme auf der Leinwand an, weil Filme nicht für Video gemacht sind. Filme sind für subtile kleine Nuancen gemacht. Die Berührung einer Hand, die Bewegung eines Auges sind es die der ganzen Szene eine andere Richtung geben. Aber wenn dein Fernsehschirm schlecht eingestellt ist und du ein dreimal kopiertes Video ansiehst, dann siehst du diesen Blick nicht und du weißt nicht, warum sich diese Szene ganz plötzlich so entwickelt.

Auf den Weg zum Erfolg wurde Sandra Bullock Filmen im Allgemeinen überdrüssig. Erst vor kurzem hat sie damit begonnen ihre Liebe zur Filmkunst wiederzuentdecken.

“Ich stellte fest, daß ich mir seit einem Jahr keine Filme mehr angesehen hatte, weil ich dessen so überdrüssig war und sie nicht genossen habe,“ gibt sie zu. „Jetzt sehe ich mir alles an. Ich schaue jeden Film und ich liebe sogar schlechtes Fernsehen. Ich liebe schlechtes Kabelfernsehen morgens um drei, weil ich herausfinden will, warum es schlecht ist. Wenn du dir nur gute Filme ansiehst hast du nichts zum Vergleichen.

Ihre Lieblingslektionen kommen von ihren Kollegen. „Ich liebe es mir die Leistungen anderer anzusehen,“ endet sie. „Ich habe mir gerade wieder ‚To Die For’ angesehen und Nicole [Kidman] ist so gut, so verdammt gut, das macht mich krank. Ich bin gerade so stocksauer auf sie! Aber es ist großartig Leistungen wie diese zu sehen, weil es mir Kraft gibt. Es bringt mich dazu, es noch härter zu probieren.

© 1998 by Hollywood Online

übersetzt von Marko von der Heide