InStyle (june/july 1999)

Sandra Bullock - Der Star

Sandra Bullock wird das Gesicht dieses Sommers. Weil sie einen guten Film hat un weil sie so herrlich unkompliziert ist. In InStyle verrät die Schauspielerin, was sie am liebsten anzieht, wo sie wohnt und was sie sich am meisten wünscht.

Sandra Bullock lächelt anders. Anders als die Hollywood-Diven, die so göttlich erhaben von der Kinoleinwand herabblicken, als trennten sie Lichtjahre von uns und der Welt. Sandra Bullocks Augen sind so nah, als säßen wir mit ihr im Café.

Sandra Bullock ist eine, der wir glauben, daß sie Liebeskummer kennt und ihre Mülltüten selbst in den Keller trägt. Ihr Humor ist derb wie der eines Lastwagenfahrers, Ihr Lachen wie das eines Kindes, das heimlich Mutters Bodylotion zum Schuheputzen benutzt. Obwohl Sandra Bullock, 33, zur ersten Garde der Hollywood-Stars gehört und Millionengagen verdient, mag sie keinen Glamour. Ihre modischen Launen sind eigenwillig. "Meine Lieblingskleidung?", fragt sie und kichert, "das sind T-Shirt und Unterwäsche. Aber keine brasilianischen Tangas. Die machen aus jedem Po ein Riesending."

Ihr Outfit sei ein Siegel ihrer Laune, sagt die Frau, die ihre Freunde liebevoll "Sandy" nennen. "Wenn ich mich gut fühle, ziehe ich lange Röcke und weite Pullis an oder eine locker sitzende Bluse. Etwas Feminines. Fühle ich mich unsicher, schlüpfe ich in Jeans und Stiefel. Damit mache ich mich stärker." Sandra Bullock liebt unkonventionelle Stücke, hält sich bei wichtigen Anlässen aber an den Dresscode. "Als Schauspielerin habe ich gelernt, in verschiedene Rollen zu schlüpfen. Als Produzentin komme ich im Kostüm. Da will ich Respekt. Wenn ich sexy sein will, trage ich Push-up-Bras, Miniröcke, eben alles, was Männer schwach macht." Dazu gehört auch eine tolle Figur - tut sie was dafür? "Wenn ich Zeit habe, mache ich Jazzgymnastik. Die Musik ist eine Motivation. Jazz, Samba, klassische Musik in aufregenden Rythmen, das macht high und fit."

Was sie tragen würde, wenn sie über den berühmten roten Teppich schreiten würde, um sich einen Oscar abzuholen? "Wahrscheinlich bin ich dann 60, cool, konservativ und elegant. Aber damit befasse ich mich erst im Ernstfall - übrigens habe ich schon Falten, und auf einige bin ich mächtig Stolz."

Calvin Klein gehört zu Sandras Lieblingsdesignern. "Ich bin nicht der Typ für Netzstrümpfe, Rüschen, Federn. Obwohl andere Frauen toll darin aussehen. Klassische Cuts, elegante Kleider sind gut für mich." Sandy erwähnt Audrey Hepburn, deren Look sie heute noch bewundert. "Sie brachte soviel Energie in die elegante Mode. Sie hatte eine einmalige Präsenz."

Am liebsten geht Sandra mit ihrer Mutter und der "kleinen" Schwester Gesine (Anwältin) shoppen. "Gesine ist meine engste Vertraute. Wir drei haben einen ähnlichen Geschmack, tragen die gleiche Größe und können uns einen Kleiderschrank teilen."

Von Mutter Helga, einer deutschen Opernsängerin, hat Sandra ihre wilde, rebellische Seite, von Vater John, einem Gesangslehrer, den Humor. Er ist ihr wichtigster Berater seit sie sich vor zwei Jahren von ihrem Manager trennte. Früher zug Sandra mit ihrer Mutter von einer europäischen Opernbühne zur nächsten. Nürnberg, Wien, München, Straßburg. Sandra erinnert sich: "Meine Mutter sang, und ich hatte eine kleine Statistenrolle irgendwo am hinteren Rand der Bühne. Zigeunermädchen habe ich oft gespielt." Ihre Mutter, errinert sich Sandra, trug enge glänzende Lederhosen. Oder kurze Miniröcke, daß alle Männer hinter ihr herpfiffen. "Als Kind war mir das schrecklich peinlich. Ich wünschte, sie wäre wie die anderen braven Mütter. Heute muß ich innerlich lachen, weil ich immer ähnlicher werde. Weil ich auch gegen vieles rebelliere, was normal ist."

In ihrer neuen Liebeskomödie "Auf die stürmische Art" spielt sie, neben Ben Affleck, ein hemmungsloses grell geschminktes Wesen namens Sarah. Sarah krempelt das gewöhnliche Leben des braven Ben komplett um: Am Ende cancelt der Bidermann seine geplante Heirat mit der Biderfrau und verliebt sich in Sarah.

"Ich bin auch ein wenig wie Sarah. Nach außen hin kennt sie keine Furcht. Das dunkle Make-up ist nur die Maske, hinter der sie ihre Ängste verbirgt. Wie die Harley-Davidson-Biker, die sich hinter ihren Tätowierungen und Bärten verstecken und eigentlich ganz liebe Kerle sind."

Wie sie, Sandra Bullock, es hält mit Liebe und Freiheit? Mit Matthew McConaughey, den sie bei den Dreharbeiten von "A Time to Kill" kennenlernte? Allein das Wort Liebe habe so enormes Gewicht, daß sie nicht so eben mal darüber sprechen will. Nur soviel: Matthew sei ein ganz besonderer Mensch, den sie leider nur alle drei Monate treffe. Sandra: "Momentan bin ich glücklich verliebt. Das kann ich sagen. Mehr nicht." Sandra hofft, daß eines Tages der Richtige kommt, mit dem sie Kinder will und irgendwann auch Enkelkinder. Träume eines Hollywood-Stars, die so amerikanisch sind, wie das Dating-Ritual in sieben Stufen: Beim sechsten Treffen ist Küssen erlaubt, beim siebten Mal darf die Frau ungeniert Kinderwünsche äußern.

Zumindest das Traumhaus auf dem Land, das Sandra zur Zeit in Austin/Texas, dem Heimatort ihres Frundes, baut, scheint familientauglich. "Ich hoffe das ich im Oktober einziehen kann. Jedes Zimmer wird so eingerichtet, daß Kinder sich darin wohl fühlen. Kleine und größere Kinder." Es ist ein großes französisches Farmhaus mit bayrischer Fassade, Blumenkästen unter den Fenstern und Balkons auf der Rückseite.

Wer sie fort in Austin/Texas über die Schwelle tragen wird? Dazu verrät das Mädchen, das bislang ein Nomadenleben führte, nur: "Zum ersten mal, seit ich denken kann, kann ich mir vorstellen, endlich seßhaft zu werden."

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